10.10.2017

WHV e.V. im 32. Jahr als maritimer Wirtschaftsförderer

Mitgliederversammlung bestätigt hohe Kompetenz -   EUROGATE baut auf Wilhelmshaven


v.l. : John H. Niemann, Michael Blach

In der diesjährigen Mitgliederversammlung der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung e.V. (WHV e.V.) im Foyer der Sparkasse Wilhelmshaven hat Präsident John H. Niemann die Chancen genutzt, den Mitgliedern und Gästen anhand einiger in Angriff genommener Projekte und Aufgaben die Bedeutung der WHV e.V. als maritimer Wirtschaftsförderer Wilhelmshavens und der Region zu verdeutlichen.

„Es wird derzeit viel von Kooperationen in der Wirtschaftsförderung zwischen städtischen Institutionen und hiesiger Wirtschaft gesprochen und verschiedene Modelle der Zusammenarbeit werden ausgelotet. Wir, die WHV e.V., praktizieren diese Zusammenarbeit im Bereich der maritimen Wirtschaft seit Bestehen unserer Organisation bis zum heutigen Tag“, so John H. Niemann. Neben dem Sichern einer funktionierenden Hafenwirtschaft wird die WHV e.V. durch Ideen und Taten die zukünftige Weiterentwicklung des Hafenstandortes Wilhelmshaven voranbringen.

Beispielhaft sind zu nennen:

- die Weiterentwicklung des JadeWeserPorts

- die Etablierung, Sicherung und der weitere Ausbau  Wilhelms-
   havens als Basishafen für Offshore-Windenergie

- die Mitgestaltung der zukunftsfähigen Ausrichtung des Wilhelms-
   havener Hafens  im Hafenentwicklungsplan (HEP) auch in Ab-
  stimmung mit einem endgültigen Tourismuskonzept

„Nur so können durch Bestandssicherung und Unternehmens-
ansiedlungen  Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen sowie weitere Beschäftigungseffekte im hafenaffinen Bereich generiert werden“, so Hans-Joachim Uhlendorf, Vizepräsident der WHV e.V.

„Der Blick auf diese positive Entwicklung im Hafen muss auch in den politischen Gremien der Stadt zu einer klaren Ausrichtung „pro“ Hafen führen, um die zukünftige Entwicklung des Gesamthafens sicherzustellen; denn der Hafen ist mit seinen rd. 5000 Beschäftigten ein Juwel dieser Stadt“, ergänzt John H. Niemann.

Folgende, zur erheblichen Weiterentwicklung des Hafens beitragenden Projekte und Tätigkeiten sind derzeit bei der WHV e.V. in Arbeit:

LNG-Terminal

(LNG= liquefied natural gas)

Die WHV e.V. begleitet seit 1980 die Entwicklung eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven. Alle wichtigen Standortvorteile für die Ansiedlung eines LNG Importterminals sind in Wilhelmshaven vorhanden.

Mit einer von der WHV e.V. initiierten Potenzial-Studie sollen die Überlegungen fachlich auf ein solides Fundament gestellt und die Entscheidungsseite gefestigt werden. An der rd. 90.000 € teuren Studie sind die Oldenburgische IHK, Mariko / Green Shipping Kompetenzzentrum und der maritime Strategierat Weser-Ems sowie die der WHV e.V. verbundene Coastsite beteiligt.

LNG wird als Treibstoff, besonders in der Schifffahrt, immer bedeutender, aber auch wegen seiner signifikanten Emissions-reduktionen bei allen wesentlichen Luftschadstoffen auch als Energieträger in der Chemischen Industrie und im LKW-Bereich.

Die Möglichkeiten eines LNG-Terminals sind in Wilhelmshaven kurzfristig realisierbar:

Das LNG-Projekt der Deutschen Flüssigerdgas Terminal GmbH (DFTG) im nördlichen Voslapper Groden ist als große landgestützte Anlage seit 2008 praktisch baureif genehmigt, wartet jedoch auf seine Realisierung.

Die Nord-West Oelleitungsgesellschaft hat recht hoffnungsvolle Überlegungen für eine LNG-Umschlagsanlage in Form einer FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) angestellt.

Auch HES International BV (HES) hat im Rahmen seiner Ausbaupläne ein LNG-Projekt geprüft. Das Know-how, einen derartigen Terminal bei Bedarf zu bauen, ist da. Ein vergleichbares Projekt wird bereits in England betrieben.

Über die betreffenden Hafenanlagen könnten auch Bunkerschiffe zur Betankung von Schiffen, als auch Tankstellen im Binnenland  durch Transporte per Bahn und Tankkraftwagen versorgt werden.

Trimodalität:

Der Wilhelmshavener Hafen hat noch keinen Anschluss an das europäische Binnenwasserstraßennetz um die Trimodalität zu gewährleisten.

Die Autobahn endet direkt im Hafen, allein das ist ein großer Vorteil gegenüber Wettbewerbshäfen.

Die Bahnstrecke nach Oldenburg ist zweigleisig, die Elektrifizierung in 2022 fertig.

Der Anschluss an das Binnenwasserstraßennetz ist bei Bedarf jederzeit möglich.

Seit 2011 war die WHV e.V. in engem Kontakt mit dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, um hierfür Lösungen zu erarbeiten.

Unsere früheren Pläne einer Kanalverbindung von der Jade in die Weser sind auf Grund der vieler Naturschutzregime für den Jadebusen und das Wattenmeer nicht mehr durchsetzbar.

Unsere gemeinsamen Bemühungen führten zu einem vom Bundesministerium für Wirtschaft mit ca. 1,1 Mio. € geförderten Forschungsvorhaben zur Ermittlung der am besten geeigneten Schiffsform, um von Wilhelmshaven über die Jade und die Außenweser in das deutsche Binnenwasserstraßennetz zu kommen.

Am 15.12.2016 wurde von der DST Duisburg und dem ShortSeaShipping Promotion Center die über drei Jahre erstellte Studie vorgestellt. Untersucht wurde eine Schlepper/Schubleichter Lösung, die sich als technisch  machbar und bei entsprechendem Ladungsvolumen auch als wirtschaftlich zu betreiben herausstellte. 

Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit ist aber auch eine Mittelweser zwischen Bremen und Minden, die durch das Großmotorgüterschiff weitestgehend uneingeschränkt befahrbar ist.

Die Schleusen wurden bereits entsprechend ausgebaut; schon  planfestgestellte noch vorhandene Engpässe werden jetztzügig in Angriff genommen.

In einer konzentrierten Aktion, zusammen mit dem federführenden Wirtschaftsverband Weser, weiteren Verbänden und vielen Unternehmen konnte die WHV e.V. das Bundesverkehrsministerium von der wirtschaftlichen Notwendigkeit des Mittelweserausbaus überzeugen. 120 Millionen € wurden daraufhin im Sommer zur Verfügung gestellt.

Bahn Wilhelmshaven - Oldenburg

Der von der WHV e.V. seit ihrer Gründung im Jahr 1985 geforderte Ausbau der Bahnstrecke Wilhelmshaven – Oldenburg ist kurz vor der Fertigstellung.

Nach stockendem Beginn in den ersten Jahren führte 2010 eine Zusage aus dem Bundesverkehrsministeriums 240 Millionen Euro als erste Teilzahlung zur Verfügung zu stellen zum Durchbruch.

Die Erneuerungs- und Ausbauarbeiten an der Bahnstrecke haben mittlerweile ein Volumen von 850 Euro erreicht. Ein großer Teil dieses Betrages bleibt als Wortschöpfung in dieser Region.

Die Bauarbeiten an dem Streckenabschnitt 4 Varel – Sande sind im März diesen Jahres begonnen worden und werden nach drei Jahren  in 2020 beendet. Damit ist dann der Hafen für alle Nutzer optimal an das Bahnsystem angeschlossen. Mit der geplanten Umfahrung Sande soll im nächsten Jahr begonnen werden.

Ein sehr positiver Nebeneffekt ist, dass Wilhelmshaven nach erfolgter Elektrifizierung ab voraussichtlich 2022 im Personenverkehr mit Direktzügen Richtung Hannover wieder an den Fernverkehr angeschlossen wird und die Verlängerung der Regio-S-Bahn bis Wilhelmshaven vorgesehen wird.

Gastreferat

Das Highlight der WHV e.V.-Mitgliederversammlung war die Gastrede von Michael Blach, Vorsitzender der Geschäftsführung der EUROGATE-Gruppe.

Sehr anschaulich hat der Experte die Situation des momentanen Container- Welthandels und die zukünftige Entwicklung der Container-Verkehre in Europa sowie die Auswirkungen auf die deutschen Containerhäfen, insbesondere Wilhelmshaven, dargestellt.

Er dankte dem Präsidenten der WHV e.V. John H. Niemann für die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit und verband damit den Wunsch, dass das die Zusammenarbeit und Unterstützung durch die WHV e.V. auch in Zukunft weiter so intensiv stattfinden möge.

Der fortschreitende Konsolidierungsprozess der Containerverkehre auf den Haupt-Ost-West-Routen habe drei Allianzen seiner Kunden an den EUROGATE-Terminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven, Einzelreeder, wie noch in 2012, gebe es heute gar nicht mehr.

Weltweit seien bereits über 300 Großcontainerschiffe im Einsatz, zu einem großen Teil zwischen Asien und Europa. In Deutschland sei Wilhelmshaven mit seinen restriktionsfreien nautischen Voraussetzungen der einzige Hafen, der die Großcontainerschiffe mit 20.000 TEU problemlos abfertigen könne.

Wilhelmshaven habe deshalb große Chancen sich langfristig am Markt zu etablieren und sich gegenüber den Häfen Rotterdam und Antwerpen zu behaupten. Deshalb werde zur Sicherung der Zukunft im Container Terminal Wilhelmshaven das Personal von 400 auf 600 Mitarbeiter aufgestockt und der Containerverkehr auf der Schiene durch weitere Zugverbindungen erhöht.

Um weiterhin konkurrenzfähig bleiben zu können, werde man aber auch das Projekt „Straddle-carrier-Automatisierung“ am Terminal in Wilhelmshaven erproben.

„Vom Grundsatz her bin ich optimistisch, das allein ist schon die beste Voraussetzung eines Erfolges“, so Michael Blach.


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